Mit einer „Dialogischen Themensammlung“ ist in Werbach das Verfahren der Dialogischen Bürgerbeteiligung zum Haushalt offiziell gestartet. Vertreterinnen und Vertreter aus Vereinen, Organisationen, Ortsteilen, Verwaltung und weiteren Bereichen des Gemeindelebens sammelten zentrale Themen, die im weiteren Beteiligungsprozess beraten werden sollen.
Am 3. Dezember fand im Sitzungssaal des Rathauses die Auftaktveranstaltung der Dialogischen Bürgerbeteiligung statt. Der Gemeinderat hatte im Oktober beschlossen, dieses Verfahren einzusetzen, um Haushaltsfragen transparent darzustellen und die Bürgerschaft angesichts begrenzter finanzieller Spielräume frühzeitig in die Beratungen einzubeziehen.
Rund 25 Personen kamen zur Arbeitssitzung zusammen. Ziel war es, eine gemeinsame Themenlandkarte zu erstellen, die sichtbar macht, welche Aspekte aus ihrer Sicht für die bevorstehenden Haushaltsberatungen wichtig sind. Inhaltlich wurde nicht diskutiert; stattdessen ging es darum, die Bandbreite der Themen möglichst vollständig zu erfassen.
Angespannte Haushaltslage und hoher Investitionsbedarf
Zu Beginn erläuterte Bürgermeister Georg Wyrwoll die Ausgangslage. Wie viele Kommunen im Land steht auch Werbach vor großen finanziellen Herausforderungen. Der Investitionsstau in Werbach beläuft sich auf rund 14 bis 20 Millionen Euro. Die Verschuldung der Gemeinde lag zu Jahresbeginn bei rund 2,13 Millionen Euro.
Schon der aktuelle Haushaltsplan zeigt eine enge Finanzsituation. Erträgen von 10,09 Mio. Euro stehen Ausgaben von 10,46 Mio. Euro gegenüber. Die laufenden Erträge reichen also nicht aus, um alle Aufgaben vollständig zu decken. Ein wesentlicher Teil der Ausgaben entfällt dabei auf Bereiche, die gesetzlich vorgegeben oder nur sehr eingeschränkt beeinflussbar sind. Dadurch bleiben für freiwillige Projekte und neue Vorhaben nur begrenzte Spielräume.
Vor diesem Hintergrund ergeben sich die Leitfragen des Beteiligungsprozesses:
Welche Aufgaben sind künftig besonders wichtig und wo können Prioritäten gesetzt werden? Und an welchen Stellen kann die Gemeinde verantwortungsvoll sparen, ohne die Zukunftsfähigkeit zu gefährden?
Gesammelte Themen und Prioritäten
Die aktualisierte Themenlandkarte (Stand: 04.12.2025) umfasst Daueraufgaben, Investitionsbedarfe, Sparoptionen und Zukunftsthemen. Sie wurde während der Sitzung um zahlreiche Hinweise ergänzt. Dazu zählen u. a.:
- Daueraufgaben wie etwa der Unterhalt der Hallen, Dorfgemeinschaftshäuser und des Bäderbetriebs.
- Sanierungsbedarfe bei Straßen, Kanälen, Hallenheizungen und öffentlichen Gebäuden.
- Zukunftsfragen vom demografischen Wandel bis zum Breitbandausbau.
- Gestaltungswünsche wie Bauplatzentwicklung, ÖPNV-Angebot oder neue Angebote für junge Menschen.
- Fragen der Gerechtigkeit, z. B. im Verhältnis zwischen Ortsteilen und Hauptort.
- Potentiale für Einsparungen, beispielsweise durch Innenentwicklung, Ehrenamt, interkommunale Zusammenarbeit und Digitalisierung.
- Personal und Organisationsfragen innerhalb der Verwaltung.
Die Beiträge machten deutlich, dass finanzielle Entscheidungen stets auch Wertentscheidungen sind: Was soll erhalten werden? Welche Investitionen tragen die Zukunft? Und wie bleibt die Gemeinde attraktiv?
Wer soll im Bürgerforum Impulse geben?
Neben den Themen wurden auch Personen benannt, die dem Bürgerforum fachliche Hinweise geben können, darunter Vertreterinnen und Vertreter der Feuerwehr, des Bauamts, der Vereine, der Schule, der Kirchen sowie junge Menschen aus der Gemeinde.
So geht es weiter
Die gesammelten Themen bilden nun die Grundlage für das Beteiligungsverfahren. Die überarbeitete Themenlandkarte ist ab dem 4. Dezember 2025 auf dem Beteiligungsportal Baden-Württemberg veröffentlicht. Bis 9. Januar 2026 können alle Interessierten die Themenlandkarte online ergänzen.
Anschließend beginnt die Arbeit des Bürgerforums: Es besteht aus rund 25 zufällig ausgelosten Bürgerinnen und Bürgern und trifft sich zu drei moderierten Sitzungen. Dort werden die gesammelten Themen vertieft, abgewogen und Prioritäten entwickelt. Die Ergebnisse werden am 24. Februar 2026 öffentlich vorgestellt und dem Gemeinderat übergeben. Die Empfehlungen des Bürgerforums sind nicht bindend, bieten dem Gemeinderat jedoch eine wertvolle zusätzliche Perspektive für die bevorstehenden haushaltspolitischen Entscheidungen.
Stimmen aus der Servicestelle
Daniel Oppold, Referent der Servicestelle Bürgerbeteiligung, zeigte sich zufrieden mit der Auftaktveranstaltung: „Es ist uns wichtig, die Themen für die das Bürgerforum gemeinsam mit den Menschen in Werbach zu sammeln. So erfassen wir die lokalen Bedürfnisse. Das Bürgerforum erhält damit seine Arbeitsgrundlage.“
Bürgermeister Georg Wyrwoll würdigte die intensive Mitarbeit: „Wir wollen die hohe Lebensqualität in Werbach bewahren und weiterentwickeln. Dafür braucht es klare Prioritäten, die tragfähig und nachvollziehbar sind. Die Dialogische Bürgerbeteiligung zeigt auf, welche Themen den Menschen besonders am Herzen liegen und wo die Gemeinde Schwerpunkte setzen sollte.“
Transparenz und Nachvollziehbarkeit
Alle Schritte des Beteiligungsprozesses werden auf der Website der Servicestelle dokumentiert. Die Servicestelle legt bei ihren Verfahren besonderen Wert auf transparente Abläufe und eine verständliche Kommunikation gegenüber der Bürgerschaft.